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Wie entsteht die Wahlprognose?

Unsere Wahlprognose hat den Anspruch, das tatsächliche Wahlergebnis so genau wie möglich vorherzusagen. Wie genau wir das berechnen, erfährst du auf dieser Seite.

Hinter einer Zahl wie „Partei X kommt auf 24 %“ steckt kein Bauchgefühl, sondern ein Rechenmodell. Es versucht nicht, den Ausgang der Wahl zu erraten. Stattdessen berechnet es aus aktuellen Umfragen, vergangenen Wahlergebnissen und den Besonderheiten des jeweiligen Wahlsystems, welche Ergebnisse möglich sind und wie wahrscheinlich sie jeweils sind.

Schritt 1: Zuerst werden die Umfragen gesammelt

Als Grundlage dienen zahlreiche veröffentlichte Umfragen verschiedener Meinungsforschungsinstitute.

Dabei zählt nicht nur die neueste Umfrage. Ältere Umfragen fließen ebenfalls ein, verlieren aber mit der Zeit an Bedeutung.

Außerdem messen die Institute nicht immer exakt gleich. Manche liegen bei bestimmten Parteien regelmäßig etwas höher oder niedriger als andere. Solche Unterschiede werden aus den vergangenen Umfragen berechnet und möglichst ausgeglichen.

So entsteht für jede Partei eine möglichst realistische Einschätzung, wie sie zum aktuellen Zeitpunkt dastehen könnte.

Schritt 2: Umfragen sind nicht perfekt – das steckt im Modell

Wenn eine Umfrage 25 % für eine Partei ausweist, heißt das nicht, dass die Partei am Wahltag 25 % bekommt. Eine Umfrage ist immer nur eine Momentaufnahme und die Stimmung kann sich bis zum Wahltag noch verändern.

Deshalb macht das Modell aus der aktuellen Umfragelage kein einzelnes Ergebnis, sondern berechnet, wie stark das tatsächliche Wahlergebnis von der aktuellen Schätzung abweichen könnte.

Dafür werden vergangene Wahlen untersucht: Wie weit lagen die damaligen Umfragen vom späteren Ergebnis entfernt? Diese Fehler aus der Vergangenheit bestimmen, wie groß die Unsicherheit der heutigen Prognose angesetzt wird.

Schritt 3: Je näher die Wahl kommt, desto wichtiger wird der aktuelle Trend

Politische Stimmung kann sich verändern – auch das steckt im Modell.

Legt eine Partei in den vergangenen Wochen deutlich zu, wird weder angenommen, dass sie bis zum Wahltag auf diesem Stand bleibt, noch dass der Trend unbegrenzt weitergeht. Aus vergangenen Wahlen wird berechnet, wie solche Bewegungen normalerweise weiterlaufen.

Bei Landtagswahlen kommt eine Besonderheit hinzu: Liegt die letzte Landesumfrage schon länger zurück, kann die Entwicklung auf Grundlage der bundesweiten Bewegung vorsichtig fortgeschrieben werden.

Schritt 4: Simulation der Wahlen

Das Modell erzeugt 20.000 mögliche Wahlausgänge.

Jedes Mal wird ein etwas anderes, aber realistisches Ergebnis angenommen. Mal schneidet eine Partei etwas besser ab, mal etwas schlechter.

Anschließend wird gezählt, wie oft bestimmte Ergebnisse vorkommen. Ist eine Partei in 15.000 von 20.000 Berechnungen die stärkste, entspricht das einer Wahrscheinlichkeit von 75 %.

Schritt 5: Aus Stimmen werden Sitze

Am Ende zählt bei einer Wahl nicht der Stimmenanteil, sondern die Sitzverteilung.

Deshalb wird jedes der 20.000 möglichen Wahlergebnisse nach dem tatsächlich geltenden Wahlrecht in Sitze umgerechnet – inklusive Sperrklauseln, Direktmandaten, Überhang- und Ausgleichsmandaten sowie dem jeweiligen Sitzverteilungsverfahren.

Das ist besonders bei Landtagswahlen relevant, weil nicht überall dasselbe Wahlrecht gilt.

Auch die Wahlkreise fließen ein: Für jeden möglichen Wahlausgang wird berechnet, welche Partei die einzelnen Wahlkreise gewinnen könnte. Daraus ergeben sich unter anderem die Wahrscheinlichkeiten auf der Wahlkreiskarte.

Schritt 6: Koalitionen werden ebenfalls durchgespielt

Weil eine Partei selten allein regieren kann, werden auch mögliche Mehrheiten betrachtet.

Für jede der 20.000 Berechnungen wird geprüft, welche Parteien zusammen eine Mehrheit der Sitze erreichen. Daraus lässt sich ableiten, wie häufig ein bestimmtes Bündnis in den simulierten Wahlausgängen eine Mehrheit hätte.

Ob die Parteien tatsächlich miteinander regieren wollen, bewertet das Modell nicht. Geprüft wird ausschließlich, ob die Sitzverteilung rechnerisch für eine Mehrheit ausreicht.

Schritt 7: Und wie gut funktioniert das?

Um die Verlässlichkeit unserer Berechnungen zu prüfen, wird das Modell auf vergangene Wahlen angewendet – so, als hätte es die jeweilige Wahl damals noch nicht gekannt. Die damalige Prognose wird dann mit dem tatsächlichen Ergebnis verglichen.

Dabei zeigt sich auch, wo das Modell an seine Grenzen stößt. Am unsichersten ist es dort, wo ihm die Erfahrung fehlt:

  • Junge Parteien. Wer erst ein- oder zweimal angetreten ist, hat keine Fehlergeschichte, aus der sich etwas ableiten ließe. Solche Werte sind die unsichersten überhaupt.
  • Ereignisse. Was in den Wochen vor der Wahl noch passiert, steckt nur als Durchschnitt vergangener Wahlkämpfe in der Rechnung. Eine Lage, die kurzfristig kippt, sieht das Modell nicht kommen.
  • Einzelne Wahlkreise. Sie werden aus ihrem letzten Ergebnis fortgeschrieben. Wer dort antritt, wie beliebt diese Person ist und ob sie überhaupt wieder antritt, weiß das Modell nicht.
  • Dünne Umfragelage. In manchen Bundesländern liegt die letzte Landesumfrage Monate zurück. Die Prognose ist dort entsprechend unsicherer – und weist das auch aus.

Nach jeder Wahl kommt ein neuer Prüffall hinzu: Wir vergleichen dann unsere Prognose mit dem amtlichen Ergebnis und lassen das Modell erneut durch dieselbe Prüfung laufen. Was sich dabei als zu eng, zu weit oder systematisch verschoben herausstellt, wird nachjustiert. Das Modell soll mit jeder Wahl ein Stück besser werden – und ehrlicher über das, was es nicht weiß.

Quellen

wahlrecht.de — Sonntagsfragen von Allensbach, Verian, Forsa, Forschungsgruppe Wahlen, GMS, Infratest dimap, INSA und YouGov, dazu die Landesumfragen.
Die Bundeswahlleiterin — amtliche Ergebnisse seit 1949, dazu die Landeswahlleitungen der Länder.
Bundeswahlgesetz und die sechzehn Landeswahlgesetze.

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